27. Plenarsitzung – Herbert Drumm zu „Pharmazeutische Versorgung in Rheinland-Pfalz für die Zukunft sichern – Adäquater Neubau des Instituts für Pharmazeutische und Biomedizinische Wissenschaften und Ausbau der Studienplätze“ (Antrag der CDU-Fraktion) – mit Video

Video: Landtag RLP

Gestatten Sie mir als letztem Redner zu diesem Thema, etwas auszuhohlen und einige grundlegende Überlegungen anzustellen, die durch den Antrag der CDU angestoßen werden.

Die letzten Jahre und insbesondere der Ukraine-Krieg haben zwei Dinge ganz klar gezeigt:

Erstens: Friede, Wohlstand, grenzenlose Handelsbeziehungen, Zusammenarbeit und Unterstützung sind fragil, man kann sich nicht darauf verlassen. Möglichst autark zu sein rückt wieder mehr ins Bewusstsein.

Zweitens: Deutschland ist ein relativ rohstoffarmes Land, bzw. es sollen bestimmte Rohstoffe nur noch reduziert eingesetzt werden. Wir müssen also vieles einführen und teuer bezahlen und daher entsprechend hochwertige Produkte herstellen und verkaufen, um unser gewohntes Leben und unseren Wohlstand finanziell zu ermöglichen.

Beide Punkte zeigen eindeutig, dass wir höchstes Augenmerk auf unseren wichtigsten Rohstoff legen müssen: Bildung, Forschung, Innovationen in allen Bereichen, höchste Qualität in Technik und Handwerk usw., ja, auch in der Politik. Und wir dürfen auch nicht aus ideologischen Gründen Technologievorsprung verspielen und Möglichkeiten auslassen.

Wir brauchen also hervorragende, vielschichtige und den Fähigkeiten der einzelnen Menschen angepasste Bildung und Ausbildung sowie gezielte Förderung zukünftiger Leistungsträger.

Dazu gehören auch hervorragende Universitäten und Hochschulen mit hervorragender Ausstattung. Denn nur dann kommen auch hervorragende Professorinnen und Professoren, für die die Arbeits- und Forschungsmöglichkeiten wichtiger sind als ein exorbitantes Gehalt.

Und im Moment trifft dies besonders auf Biotechnologie und Pharmazie zu, wobei ich jetzt beim Thema bin.

Über die existenzielle Bedeutung der Pharmazie müssen nicht viele Worte verloren werden: Apotheken spielen eine zentrale Rolle in der flächendeckenden Arzneimittel- und Gesundheitsversorgung. Zum anderen geht es um qualifizierte Forschung in der pharmazeutischen Industrie. Auf diese Tätigkeitsfelder müssen Pharmaziestudierende bestmöglich vorbereitet werden und für sie entsprechend hohe Ausbildungsstandards zur Verfügung stehen. Letztere sind mit Blick auf die Ressourcen an der Johannes Gutenberg-Universität nicht gegeben – zum Unmut der Studierenden und Absolventen, aber auch der Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz. Hier müssen Sofortmaßnahmen eingeleitet werden: Wir stimmen mit der Forderung der CDU überein, dass nur ein adäquater Neubau die Ausbildungsbedingungen verbessern kann. Es braucht moderne Labore vor Ort, die den besonderen Anforderungen hinsichtlich Sicherheit, Verfügbarkeit von Materialien und innovativer Technik Rechnung tragen. Nur so kann eine zukunftssichere sowie national und international konkurrenzfähige Ausbildung sichergestellt werden. Im Rahmen dieses Prozesses sollten außerdem die Studienplatzkapazitäten überprüft werden. Der Deutsche Apothekertag forderte zuletzt im September 2021 die Politik auf, die Anzahl der Studienplätze um 30 Prozent zu erhöhen. Die Landesapothekerkammer Rheinland-Pfalz forderte für den Standort Mainz sogar eine Verdopplung der Studienplätze – auf 95 Plätze pro Semester, um die Bedarfe überhaupt decken zu können. Nur so könne der demographischen Situation im Berufsstand begegnet und die pharmazeutische Versorgung im ländlichen Raum sichergestellt werden.

Die Botschaft ist klar: Um die pharmazeutische Versorgung und Forschung für die Zukunft zu sichern, brauchen wir hohe Ausbildungsstandards und mehr Studienplätze. Und das ist nicht nur mit Worten der Anerkennung für den Berufsstand getan!

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