23. Plenarsitzung – Helge Schwab zu „Verteidigungsfähigkeit ermöglichen – Bundeswehr-Offensive an Schulen“ (Antrag der AfD-Fraktion) – mit Video

Video: Landtag RLP

Jugendoffiziere der Bundeswehr vermitteln als erfahrene und spezialisiert ausgebildete Referenten deutschlandweit die Herausforderungen einer bündnisorientierten Sicherheitspolitik. Ihr Angebot richtet sich insbesondere an Lehrerinnen und Lehrer, die in den Jahrgängen 9 bis 13 unterrichten. Die Jugendoffiziere leisten einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung, gehen auf aktuelle teils weltpolitische Ereignisse ein und orientieren sich bei Bedarf an den Lehrplänen der Länder.

Neben Schulen können Universitäten, Vereine und andere Interessierte den regional zuständigen Jugendoffizier in Veranstaltungen einbinden. Es steht ein breites Angebot an politischer Bildungsarbeit zur Verfügung. Von Informationsveranstaltungen, Vorträgen und Podiumsdiskussionen über Politiksimulationen sowie ein- oder mehrtägige Seminarfahrten bis hin zu Lehrerfortbildungen und Besuchen bei der Truppe stehen Möglichkeiten offen. Viele Formate können individuell konzipiert und sowohl als Präsenz- als auch inzwischen als Online-Veranstaltung angeboten werden. Nein, diese Information habe ich nicht gegoogelt, diese Definition wurde mir im Rahmen meiner eigenen Ausbildung zum Jugendoffizier vermittelt.

Dies ist auch der Hintergrund, weswegen ich erst vor kurzem eine kleine Anfrage zu diesem Thema an die Landesregierung richtete. Es ist völlig in Ordnung für mich, dass es Menschen gibt, die Militär grundlegend ablehnen. Den Schutz dieser Meinungsfreiheit haben wir nicht zuletzt unserer wehrhaften Demokratie zu verdanken, die selbstverständlich eine Verteidigungsarmee – unsere Bundeswehr – vorsieht und vorhält.

Bevor ich in diesem hohen Hause meine Arbeit aufnehmen durfte, war ich 30 Jahre Soldat. Mein Dienstverhältnis ruht. Ich habe im Rahmen der allgemeinen Wehrpflicht in den 1990er Jahren unzählige Rekruten ausgebildet, habe als Gruppenführer, Zugführer und Ausbildungsleiter viele Diskussionen erlebt, ob die Wehrpflicht zeitgemäß, die beizubringenden Lerninhalte zeitgemäß oder der Dienst an der Waffe gänzlich überflüssig ist. Am Ende der Diskussionen waren wir uns immer in einem Punkt einig: Wer die Bundeswehr nicht kennt, die Inhalte der Ausbildung nicht selbst erfahren hat, kann in den seltensten Fällen mitreden.

Und nach der Eingewöhnung in die neue Situation, der allgemeinen Grundausbildung, wenn die „Spielregeln“ jedem geläufig waren, waren zumindest in meinem Umfeld nur noch vereinzelt junge Männer in der Einheit, die die Bundeswehr möglichst sofort verlassen wollten. Am Ende der Wehrpflicht beantragten viele junge Männer die Übernahme zum Zeitsoldat, um ihrer Berufung, welche sie im Rahmen der allgemeinen Wehrpflicht kennen und schätzen lernten, nachzugehen.

Immer wieder erlebte ich vor allem nach dem Aussetzen der allgemeinen Wehrpflicht, dass – regional unterschiedlich – auf meine Uniform je nach politischer Lage und Umweltsituation, Soldaten mehr oder weniger gefragt waren. So ist es scheinbar völlig normal, dass Menschen, die Soldaten pauschal als Mörder bezeichnen, in einer eigenen Notlage nach der Bundeswehr rufen oder sich in Fachkliniken der Bundeswehr behandeln lassen. Soldat sein bedeutet eben gerade nicht, nur seine Waffe zu kennen und schießen zu müssen. Soldat sein ist weit mehr als das. Soldaten sind professionelle Krisenhelfer, sind fachlich bestens qualifiziert, um in der Not auch effektiv improvisieren zu können. Soldaten sind bereit ihr Leben für unsere Demokratie zu geben; retten und bergen, wenn unsere Blaulichtfamilie Unterstützung benötigt.

Solange es eine Wehrpflicht gab, setzten sich – zumindest die jungen Männer – unsere Jugendlichen mit dem Thema Bundeswehr auseinander. Zu dieser Zeit gab es auch noch freilaufende Übungen und hierdurch immer wieder Berührungspunkte mit der Gesellschaft. In fast jeder Familie gab es einen Staatsbürger in Uniform, einer, der aus erster Hand berichten konnte. Erst kürzlich sprach unser Innenminister im Rahmen der Eröffnung der Wanderausstellung Kriegsgräberstätten in Rheinland-Pfalz auch über seine eigenen Erfahrungen als Soldat. An diese Stelle danke ich Ihnen, Herr Lewenz, für die Vermittlung ihrer positiven Eindrücke.

Wie wir alle wissen, ist unsere Wehrpflicht noch immer ausgesetzt. Viele Begleiterscheinungen zeigen negative Folgen für unsere Wirtschaft und unser Sozialsystem. Weniger LKW-Fahrer, weniger Alten- und Krankenpfleger, weniger Facharbeiter. Ja, unsere Bundeswehr war mit der Wehrpflicht auch ein Fenster für Berufe. Auch für diejenigen, die Ersatzdienste leisteten.

Kennen Sie POLIS? Falls nicht, empfehle ich Ihnen einen Besuch bei einem ausgebildeten Jugendoffizier.

Es gilt das gesprochene Wort.

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