15. Plenarsitzung – Helge Schwab zu „Ambulante ärztliche Versorgung in Rheinland-Pfalz – Entwicklung seit dem Jahr 2018 und künftige Maßnahmen“ (Besprechung der Großen Anfrage der AfD-Fraktion) – mit Video

Video: Landtag RLP

Auf 100 Seiten 169 beantwortete Fragen in fünf Minuten zu besprechen, ist wirkliche eine Herausforderung. Eines habe ich anhand dieser großen Anfrage lernen dürfen: Weniger ist definitiv mehr.

Die ambulante ärztliche Versorgung in Rheinland-Pfalz ist jedoch ein Thema, welches jegliche Betrachtung wert ist. Das Bundesverfassungsgericht hat 2017 die Fakultäten dazu gezwungen, den Auswahlmechanismus zu ändern und die Wartezeiten abzuschaffen. Daher gibt es mehr Bewerber als Studienplätze. Die Folge daraus ist ein Kriterienkatalog, bei denen Bewerber 100 Punkte erlangen können. Dieser Kriterienkatalog ermöglicht, dass das Abitur durch den Abschluss einer fachbezogenen Berufsausbildung ersetzt werden kann, was wiederum praxiserprobte Menschen aus medizinischen Berufen zum Studium bewegen soll. Die Anzahl an Bewerbern ohne Abitur ist nach unseren Recherchen sehr hoch – die Plätze sind begehrt.

Hier darf ich die Landesregierung für die Umsetzung des Urteils loben. Dies ist eine weitere Chance zur Begegnung des Ärztemangels. Wenn wir es schaffen würden, diese bereits in medizinischen Berufen tätigen Menschen, durch attraktive Angebote über eine Art BAföG als künftige Landärzte gewinnen zu können, hätten wir unsere künftige Problemstellung auf dem Land wahrscheinlich im Griff. Wir brauchen Menschen, die auf dem Land verwurzelt sind und nach ihrer Ausbildung, ihrem Studium, wieder aufs Land zurück möchten. Zurück zu ihrer Familie.

Die Ausbildungsvergütung für diese Studierenden muss durch eine Art Verpflichtungsprämie so auskömmlich sein, dass diese – meist bereits in familiärer Verantwortung stehenden – potenziellen Landärzte, ihren familiären Verpflichtungen gerecht werden können. Dies hätte dann allerdings auch zur Folge, dass die Anzahl der 16 bis 17 Studierenden je Semester deutlich erhöht werden müsste.

Wie bereits zuvor angesprochen, benötigen wir zur Kompensierung der absehbaren Zurruhesetzungen mindestens 250 weitere Humanmedizin-Studienplätze mehr pro Jahr, um bis 2032 eine einigermaßen vernünftige Ausbildungsquote zu erreichen. 42 Prozent aller Ärzte in Rheinland-Pfalz sind über 60! Tendenz steigend. Denn mehr als 80 Prozent sind – Stand heute – bereits über 50 Jahre alt.

Es ist höchste Zeit, die Zukunft zu sichern. Wir brauchen dringend mehr Studienplätze und eine garantierte Landarztquote. Wie wäre es mit einer neuen Fakultät – in Kaiserslautern!?

Es gilt das gesprochene Wort.

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